Freitag, 15. Februar 2013

Welchen Schaden Amazon durch den Shitstorm nehmen wird? Gar keinen. Eine Übung in datengestütztem Zynismus

Und wieder geht es los, das Händeringen im Netz. Die Wut. Die Boykottaufrufe. Diesmal trifft es Amazon, das nach dem ARD-Beitrag Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon im Netz hart angegangen wird wegen den Bedingungen, zu denen Leiharbeiter in Logistikzentren des E-Commerce-Riesen tätig sind. "Schweinerei", "Faschismus", "Da kauf ich nie mehr" heißt es auf Facebook und Twitter. Shitstorm eben. Die Macht nicht der Straße, sondern der sozialmedialen Fahrstreifen auf dem Datenhighway schickt sich an, Amazon zu  überrollen. Und die ersten fragen sich, wie sich das auf Amazon, dessen Image und dessen Geschäft auswirken wird, auch weil der Konzern im Netz eigentlich nicht reagiert.

Die Antwort ist simpel: Amazon wird so pleitegehen wie Wiesenhof. Der Geflügelproduzent, dem hintereinander eine ARD-Doku, ein Hygieneskandal und das Sponsoring von Werder Bremen um die Ohren geflogen sind, der dabei jedes Mal ordentlich Federn im Netz lassen musste. Und der im vergangenen Geschäftsjahr 1,33 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (Das Mutterunternehmen, die PHW-Gruppe, hat sogar 2,34 Milliarden erzielt, 5,2 Prozent mehr.)

Bild: Amazon.

Anders ausgedrückt: Wiesenhof hat keinen Schaden erlitten, ist sogar gewachsen. Amazon hat 2012 knapp 6,45 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaftet. Und diese Zahl wird in diesem Jahr ebenfalls wachsen. Welchen Schaden Amazon durch den Shitstorm nehmen wird? Gar keinen.


Datengestützter Zynismus

Vergangenen August habe ich hier einen Blogpost mit dem Titel Shitstorms sind überbewertet geschrieben. Darin heißt es:
Im Grunde ist es doch so: Kurze, aber heftige Aufregung, die dann verpufft.
Händeringen und Entrüstung über untragbare Zustände für wenige Tage. Und dann kehren wir zum Alltag zurück, mit dem warmen Gefühl, unserer Bürger- oder auch Nutzerpflicht durch Entrüstung nachgekommen zu sein. "Ich bin ein guter Mensch, ich hab mich doch aufgeregt!" Der Wut-Post als Ablassbrief. Denn im Supermarkt oder bei der E-Commerce-Bestellung geht es den meisten dann doch wieder nur um den Preis. Brecht schrieb, "erst kommt das Fressen, dann die Moral". Und hier? Erst kommt der Wut-Post, dann - nichts?
Deshalb ändert sich ja auch nichts an diesen Zuständen. Und jetzt wollt ihr mir sagen, dass das durch das noch schnellere Medium Social Media nachhaltiger wird? Ach bitte.
Und genau das ist im Fall Amazon auch zu erwarten. Zynisch? Ja, aber es handelt sich um datengestützten Zynismus.

Denn der Aufregung im Netz, den Abschwörungen des Kaufs bei Amazon, den wütenden und entsetzten Worten werden eben keine Taten folgen. Einen spürbaren Schaden würde es aber nur auslösen, wenn sich das Kaufverhalten tatsächlich ändern würde. Druck substanziell und nachhaltig entstünde. Was nicht passieren wird.

Wie es heute von manchen treffend auf Twitter hieß: Menschen tippen ihren Zorn und ihr Entsetzen über Amazon in ein bei Foxconn hergestelltes Gerät, danach fühlen sie sich dann mit sich und der Welt im Reinen und kaufen abends beim Discounter noch eine möglichst günstige Tiefkühllasagne. (Die Foxconn-Bemerkung stellt im übrigen kein reines Apple-Bashing dar. Samsung lässt gewissermaßen in der Halle gegenüber produzieren.)

Auf die zornigen Worte folgen eben zu wenig Taten. Zu wenig "putting your money where your mouth is", wie es mit deutlich sichtbarerer Konsumnote im Englischen heißt.


Moralische Entrüstung und selektiver Gedächtnisverlust

Und wer sich jetzt entrüstet, Amazons Umgang mit Arbeitskräften sei ein Skandal, das habe er oder sie ja alles nicht gewusst: Ja, weil ihr's nicht wissen wolltet.

Denn, mal vom konkreten Vorwurf bezüglich ausländischer Wanderarbeiter und Neo-Nazi-Sicherheitsdienst abgesehen: Es ist nicht im geringsten neu, dass Amazon Mitarbeiter, insbesondere Saisonkräfte, schlecht behandelt. Eine kleine Liste:


Nicht gewusst, berichtet ja keiner drüber. Natürlich.
 
Entsprechende Entrüstung rund um diese Berichte gab es übrigens auch. Und wir wissen ja, wie sehr das Amazons Ruf und Wachstum geschadet hat. 6,45 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2012.

Wer jetzt völlig entrüstet darüber ist, dass ich unterstelle, seine Empörung werde keine Konsequenzen nach sich ziehen, nimmt bitte an folgendem Experiment teil: Ruft den elektronischen Kalender eurer Wahl auf und stellt euch eine Terminerinnerung ein für - machen wir es uns einfach - den 15.8.2013: "Meine Bestellungen bei Amazon checken". Ist der zweite Menüpunkt im Kundenkonto. Auftrag dazu: "Bestellungen seit 15.2.2013 zählen".

Dann reden wir weiter. 


Ein messbarer Effekt? Bitte.

Es ist Unsinn, jetzt laute Vermutungen anzustellen, wie sehr der Shitstorm Amazon doch schaden wird. Denn ein kurzer Entrüstungssturm auf Facebook wird ihnen überhaupt nicht schaden. Ihr wollt ein messbares Ergebnis des Tumults in Social Media? Bitte: Amazons Fanzahl und damit Reichweite ist seit der ARD-Doku gestiegen.

Quelle: Allfacebook.des Facebook Page Tracking. Via Christian Salzborn.

Ist es richtig, die Zustände anzuprangern, Druck, gerade öffentlichen Druck, auszuüben, Aufklärung zu fordern, um Reaktionen und Veränderungen zu erreichen? Ja. Aber dabei nur Facebooks Social-Media-Team zwei Tage lang anzumaulen erreicht ziemlich genau - nichts. Der Druck kann über Öffentlichkeit, Medien und Politik geleitet werden. Dazu müsste er aber bleiben und mit Substanz gefüllt sein. Kein Ballon heißer Luft im Netz und auch außerhalb dessen, die nach ein paar Tagen komplett entwichen ist. 

Denn wenn das alles ist - warum sollte Amazon dann reagieren?


UPDATE
Ein kurzes Update bezüglich der Fanzahlen für diejenigen, die dieser Punkt näher interessiert. (Mir ging es im wesentlichen darum, dass sich nicht mal in dieser Metrik ein Schaden zeigt.)

Thomas Hutter hat sich damit hier näher beschäftigt:
Facebook: Amazon.de-Shitstorm mit nur geringen Auswirkungen auf Fanbasis
Und für die Netzpiloten hat Nico Pliquett etwas geschrieben:
Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm


UPDATE 2:
Ein halbes Jahr ist um - was ist geblieben?


Verwandte Artikel:
 

Kommentare:

  1. Mal wieder ein sehr schöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht. In meiner Diss werde ich den Sachverhalt dieser Doppel-Moral vielleicht nicht ganz so zynisch darstellen: aber die Kernaussage bleibt. Hut ab und viele Grüße
    Chris

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    1. Danke dir!
      Und wie gesagt: Wenn du soweit bist, fände ich es spannend, mal über dein Material zu sprechen.

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  2. Hallo Ralph,

    sehr schöner Beitrag, der sich an vielen Stellen mit meiner Erfahrung deckt.
    Aber nicht an allen. Zum Beispiel beim Fanwachstum http://d.pr/i/C6Ps hier gibt es (für heute) einen negativen Trend. Außerdem erhalte ich über andere Auswertungstools auch andere Zahlen. Hier wird sich wohl mittelfristig zeigen müssen, ob die Fanzahlen im Gegensatz zum bisherigen Wachstum eher stagnieren.

    Was mir zum anderen auf dem Herzen liegt, ist die generelle Meinung Shitstorms hätten keinen Effekt.
    Täglich versuchen ich/wir zu erklären wie wichtig es ist die Firma nach den in sozialen Netzwerken gewonnenen Daten auszurichten.
    Mir wird hier zu sehr der negative Aspekt beleuchtet, was wäre aber nun, wenn Amazon (wird nie passieren) dieses laue Lüftchen nimmt und wirklich im Weihnachtsgeschäft 2013 etwas verbessert.

    Damit würde sich hier zwar ein negativer Einfluss der sozialen Medien ausschließen lassen, aber es gibt immer noch die Möglichkeit auf einen positiven Effekt.

    Oder wie ich immer predige: "Social Media ist keine Abteilung, sondern eine Unternehmensphilosophie"

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    1. Hallo Sascha, dass Marken-Kommunikation insgesamt nicht aufgepfropft, sondern in der Unternehmenskultur verankert sein sollte, würde ich auch so sehen.

      Was die allgemeinere Betrachtung angeht, war die im Fazit des August-Blogposts enthalten. http://von-nullen-und-einsen.blogspot.de/2012/08/shitstorms-sind-uberbewertet-schluss.html

      Und wobei ich bleibe: Zeigt mir Daten zu Effekten. "Es sollte doch so sein" reicht mir nicht.

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    2. Das ist das Problem der Messbarkeit.

      Wie messe ich eine positivere Resonanz und beweise das ein Umsatzwachstum nicht sowieso stattgefunden hätte.

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    3. Damit hast du recht, aber das war schon immer ein Problem in PR & Marketing

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  3. Hi Ralph,

    so einen ähnlichen Artikel hatte ich auch im Dezember geschrieben. Deshalb stimme ich dir uneingeschränkt zu: http://www.bvcm.org/2012/12/keine-angst-vor-dem-shitstorm/

    Ich glaube Saschas Argumente rühren daher, dass er Angst hat um die Bedeutung seines Jobs hat :>

    Angst ist halt ein gutes Überzeugungsinstrument beim Verkaufen ;)

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    1. Hallo Cihan,

      meinen Text überhaupt richtig gelesen?

      Ich stimmte hier Ralph komplett zu, die Angst vor Shitstorms zu nehmen. Allerdings finde ich die positiven Aspekte, die dadurch z.B. in der Prozessoptimierung durchgeführt werden können, kaum beleuchtet.

      Gruß,
      Sascha

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  4. Hm. Gut, sie machen weiter Gewinn, aber würde der erwirtschaftete Gewinn nicht höher ausfallen, wenn nicht doch einige ihren Boykott durchziehen ? Da finde ich es nicht richtig zu sagen, der virtuelle Shitstorm brächte so gar nix...

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  5. Das Thema kocht ja immer wieder hoch. Bildmaterial gabs bisher aber noch nicht, glaue ich.

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  6. Hallo Herr Pfister,

    guter relativierender Artikel, wenngleich es sehr fraglich ist, die Wirkung schlechter Presse an der Umsatzentwicklung festzumachen. Dass der Umsatz gewachsen ist kann auf alles Mögliche zurückgehen (z.B. weitere hochpreisige Güter im Sortiment), teils sogar auf simple Währungsschwankungen.

    Auch dass die Fanzahl gestiegen ist kann man nicht zwingend positiv deuten bzw. daraus etwas ableiten. Welchen Wert hat denn das "Fan sein" bei Facebook noch und was sagt es aus? Muss dies nicht über die Interaktion in der Zeit bemessen werden?

    Aus meiner Sicht entfalten Shitstorms durchaus eine Wirkung, denn sie lenken die Aufmerksamkeit auf Missstände. Dass dies womöglich nicht von langer Dauer ist mag so sein. Es ist indes trotzdem immer noch besser als dass etwas gar nicht beleuchtet wird.

    Und ich bin mir sicher, dass amazon wirklich künftig genauer prüfen wird, welche Security eingesetzt wird und dass die Mitarbeiter eine etwas höhere Planungsicherheit haben.

    Naiv? Vielleicht. Aber die Alternative ist doch auch keine echte: alles um mich herum ignorieren, einfach weitermachen.

    Insofern teile ich Ihre Ansicht nur bedingt. Strategisch indes klug gerade einen Gegenthese zu beziehen um selbst Aufmerskamkeit zu generieren. ;-)

    Beste Grüße,
    Marco Feiten

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  7. Amazon ist ein Wirtschaftsbetrieb, der Moral erst berücksichtigen wird, wenn das die Zahlen verbessert. Derzeit würden Mehrkosten den Mehrwert beim Verkauf komplett auffressen, Amazon hat also keinen Anlass die Entrüstung in irgendeiner Weise zu beachten.

    Wenn die Empörung allerdings mal politische Forderungen zu Gesetzen machen würde, die Wähler also die Politiker zu moralischem Handeln brächten (hier also Leiharbeitsrechte und Mindestlohn schaffen), dann führte dies zur Neuberechnung und Amazon würde einknicken - Freiwilligkeit vortäuschend um gesetzlichen Zwang zu vermeiden.

    Bei den Politikern, die derzeit Gesetze schaffen, habe ich keine Hoffnung, da werden statt dessen Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt, abgeschafft, unwirksam gemacht. Und der Informationsaustausch im Netz wird zunehmend gefährlich.

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  8. Ich sehe das anders.

    Gerade die Medien haben sich angewöhnt, die Welt sehr, sehr einfach zu strukturieren. Das macht das Weltbild zwar leichter durchschaubarer, realistischer aber nicht. So ist der Glaube "Boah, nach dem Shitstorm kein Umsatzeinbruch" aus dem Wirtschaftslehrbuch für Milchmädchen entliehen.

    Nehmen wir doch den Shitstorm mal raus aus der Kalkulation. Dann haben wir einen höchst kritischen ARD-Beitrag. Hat der eine Wirkung? Aus Ihrer Argumentation heraus nicht. Die ARD aber ist kein Lokalfernsehen, sondern hat Gewicht. Entsprechend könnte man sagen: Medienberichterstattung beeinflusst den Nicht-Kauf nicht. Beeinflusst sie dann im umgekehrten Fall den Kauf? Dafür gibt es genügend Beispiele.

    Nehmen wir nun den Shitstorm allein und sagen einfach mal, es hätte keinen ARD-Beitrag gegeben. Haben negative Äußerungen im Social Web Wirkungen auf den Verbraucher?

    Mal ernsthaft: Glaubt jemand, dass Konsumenten tatsächlich wie ein Haufen blöder Lämmer frisst, was man ihnen vorsetzt? Natürlich nicht. Sie treffen Entscheidungen auf Basis ihrer Möglichkeiten. Bei Amazon könnte es tatsächlich sein, dass kein Schaden eintritt. Denn wer online ordern will muss einen gewissen Aufwand betreiben, um Amazon zu entgehen - und häufig kostet ihn das auch noch Geld.

    Interessanter ist da ein Fall wie Wiesenhof. Wie wird ein Werder-Fan reagieren, steht er das nächste mal vor dem Kühlregal? Ich behaupte: Gibt es eine Alternativ im gleichen Preisbereich, wird er diese wählen. Ob dem so ist, kann nur Wiesenhof sagen - denn nur das Unternehmen (und der Handel) hat die zur Beurteilung nötigen Daten.

    Ihre Behauptung, allerdings, man könne heute schon sagen, dass Wiesenhof keinen Schaden erlitten hat, ist nachweislich falsch. Die Unternehmensgruppe bilanziert zur Jahresmitte. Die von ihnen genannten Zahlen enthalten also noch gar keine Wirkung der Werder-Affaire.

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    1. Nur kurz: In meiner Familie wurden bis vor einem Jahr auch Produkte von Wiesenhof gekauft, dann haben wir von den miesen Bedingungen dort erfahren, Nachdenken darüber setzte ein (man hatte schon vorher kein so gutes Gefühl beim Kauf der Produkte)und seitdem verzichten wir auf Wiesenhof. Mein Einfluss über die Familie und die grosse Verwandschaft hinaus ist nur gering, aber es sind in meinem Kreis immerhin über 30 Familien, die seit vielen Monaten Wiesenhofprodukte nicht mehr anrühren. Amazon ist schwieriger, aber es ist absolut abstoßend, wenn rechte Sicherheitsfirmen Handlangerdienste für Amazon ausführen. Wehret den Anfängen! Bücher sollte man eh nicht bei Amazon kaufen. Dank Preisbindung, gibt es noch kleinere Buchhandlungen vor Ort, die man gern aufsucht.

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    2. Hallo Herr Knüwer, ich bin mir des Stichtags des Geschäftsjahres 2011/2012 bei PHW durchaus bewusst. Aber denken Sie wirklich, dass sich das Thema Werder auf den Sponsoren massiver auswirkt als der Hygieneskandal und die ARD-Doku "System Wiesenhof" zuvor?

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  9. Amazon ist ein Wirtschaftsbetrieb ... Gewinn und Maximierung zählt. Aber diese Gewinne kommen von den Kunden und genau dieser hat es in der Hand, aus dem Shitstorm etwas persönlich an sich zu ändern. Amazon ist nur ein Beispiel dafür und ich möchte die ganzen anderen nicht aufzählen (H&M, Apple, Niki ... aber prinzipiell zu sagen Amazon nimmt keinen Schaden, die Wirkung wird kommen. Kleiner Ansatz heute dazu, ein kleiner aber feiner Verlag kündigt komplett Amazon, jetzt müssten andere Verlage den Mut, Durchhaltevermögen haben und nach zu ziehen.

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  10. Wenn ich mir das Chart mit dem Fanwachstum so ansehe, könnte es ja fast schon eine Strategie sein, ein €10.000-Jackpot Gewinnspiel kurz vor der Ausstrahlung der Sendung zu launchen.
    Den Tenor der Reportage kennt man spätestens von der Programmankündigung - man weiß, dass der Shitstorm kommt.
    Durch ihn steigt das Besuchsaufkommen der Seite stark an. Menschen rufen die Seite auf, um sich auch mal über den Fernsehbericht auskotzen zu können. Und was sehen Sie? 10.000 Euro zu gewinnen. Perfekt! Kurz auskotzen, und dann liken.
    Der Shitstorm verschwindet schnell in den Tiefen von Facebook - die Fans, die bleiben.

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  11. Stimmt, man hätte es schon längst wissen und danach handeln können. Berichtet wurde genug darüber.

    Es gibt genügend andere Firmen, die ein ähnliches Verhalten an den Tag legen. Sich nicht darüber aufzuregen und vielleicht mal eine sarkastische Bemerkung darüber loszulassen, reicht vielen eben nicht. Man hat was zu schreiben und zu schimpfen und ... es tut ja nicht weh. Selbst dem betreffenden Unternehmen nicht.

    Ich habe heute meinen langjährigen Account bei Amazon gekündigt. (http://goo.gl/pzyIy)Vielleicht gehe ich zum Fachhandel - wenngleich das wohl kaum en vogue ist. Außerdem sind dort die Preise höher. Das kann man sich also unter Umständen auch gar nicht leisten.

    Wichtig ist zunächst einmal, dass wir zur Kenntnis nehmen, wie sich die Welt um uns herum entwickelt. Vielleicht fällt irgendwann mal der Groschen und es bleibt nicht beim Achselzucken.

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  12. Das mag schon sein, und vielleicht ist man auch a) naiv und b) geblendet von den niedrigen Preisen und dem zuverlässigen Service. Wenn man dagegen in den Fachhandel einer Großhandelskette geht, und von gelangweilten Servicekräften nur Standardantworten bekommt, die beim Kauf nicht weiterhelfen, dann ist man schon geneigt, sich den Weg dorthin zu sparen, und online zu bestellen. Dann kommt auch Bequemlichkeit hinzu: Ich bin seit 2002 Amazon-Kunde, und hatte bisher nicht einen Grund, auf andere Ketten auszuweichen, um an das zu kommen, was ich (im Internet) bestellen will. Inzwischen ist aber der Markt sehr viel größer geworden, und Nischenhändler sind (vermutlich) auch fairer.

    Und eine Bequemlichkeit der anderen Sorte existiert auch: Warum länger warten, um sich etwas leisten zu können, wenn man es billig und schnell bestellen kann? Alles muss immer verfügbar sein, siehe Lebensmittel(wegwerfgesellschaft).

    Für mich selbst ist der Fernsehbeitrag ein Anlass,über mein Konsumverhalten nachzudenken...

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  13. Amazon wird durch die berechtigte massive negative Presse in den Medien in Deutschland enormen Schaden nehmen! Man merkt ganz klar, dass der Autor hier keinerlei Ahnung in der Materie hat und mit eher dubiosen (nicht vergleichbaren) Vergleichen im Trüben herumstochert (um sich zu profilieren!?). Amazon wird durch die menschenverachtenden Praktiken, durch den noch genauer aufzudeckenden Steuer- und Sozialabgabenbetrug enormen Schaden nehmen, weil sehr viele Kunden Amazon den Rücken zuwenden werden! Eine realistische Einschätzung des Autors (Stammkunde bzw. sponsored by Amazon?) wäre wünschenswerter gewesen als die plumpe Ignoranz der massiv negativen Reaktionen im Netz! Die Ignoranz der Geschäftsführung, eine Stellungnahme zum Thema abzugeben zeigt deren Ohnmacht und wird die Führung Kopf und Kragen kosten! Gut ist das! :-)

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  14. Die schlichte Behauptung, die Fanzahl von Amazon sei seit der ARD-Doku gestiegen ist schlicht weg Blödsinn!

    Vor der Doku hatte ich von ca. 1.700 Kontakten ca. 150 Amazon-Fans ("gefällt mir"), aktuell sind es noch ca. 80 Fans, da bedeutet, dass sich der Bestand um fast die Hälfte abgebaut hat! :-) Yeahh, die Negativpresse zeigt also Wirkung!

    Die FDP hat sich nachweislich auch Fans bei facebook in großem Stile gekauft! Amazon wird dies nach der Doku ebenso in großem Umfang gemacht haben, um dem extremen Negativtrend durch die Negativ-Presse entgegenzutreten! Von daher ist ein leichter Anstieg der "Fans" bei solchen Praktiken durchaus nachvollziehbar!

    Von daher wieder eine Falschaussage des Autors! ;-) Den Beitrag hätte er sich komplett schenken können, da er NULL Mehrwert liefert!

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    1. Das macht natürlich auch ungeheuer Sinn, von der Amazon-Fanzahl im eigenen Bekanntenkreis auf die Gesamtzahl deutschlandweit hochzurechnen und deshalb den Autor der Falschaussage zu bezichtigen...

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  15. Na ich habe noch nie im Leben bei Amazonen gekauft und werde es nie
    das hat verschiedene gründe zum ersten kaufe ich lieber in einen Fachmarkt und Bezahle ein bisschen mehr habe aber dafür Wissen über das was ich kaufe und kann es vor Ort sehen und Testen habe keine lange Wartezeiten bei Reparatur oder Garantie Ansprüchen und habe immer eine Ansprechpartner bei Problemen und erhalte damit auch Jobs

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  16. Der Artikel war genau richtig. Die, die behaupten, dass er keinen "Mehrwert" bieten würde, wollen provozieren. Jedenfalls denken sie weniger daran, sich mit den Dingen kritisch auseinander zu setzen.

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  17. Und trotzdem find ich gut, wenns einen Shitstorm gibt und sich die Leute empören und werde mich selber auch in Zukunft beteiligen! Wesentlich besser als sie empören sich nicht!

    Aber ja, wir sollten uns natürlich bewusst sein, dass so Boykottaufrufe meistens nicht das wirksamste Widerstandstool ist und so Online-Proteste nicht die Klassenkampfqualität eines Generalstreiks hat. Aber Was spricht gegen Niederschwelligen Protest zum Einstieg? :)

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  18. Das fällt mir auch oft auf. Ich bewege mich meistens eher in der IntegrationsAssimilationsReligionsDebatte - aber das Verhalten ist das Gleiche.

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  19. Super Artikel. Nur das mit den Fanzahlen scheint mir eine Milchmädchenrechnung zu sein: ich verwette meine rechte Hand drauf, daß der Anstieg ausschließlich durch Leute zustande kam, die sich auf der Amazon-Seite ihrer Empörung Luft machen wollten. Das geht ohne "Like" nämlcih nicht.

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    1. Merkwürdig, ich hab Amazon nicht geliked und kann trotzdem einen Beitrag hinterlassen.

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  20. Hallo,

    sehe das nicht so. Ich habe vor 3 Jahren mein Amazon Konto löschen lassen weil ich immer Rezensionen zu einem Buch schrieb wo der Auto sich "danebenbenommen" hatte und ich dieses Verhalten (welches auch mit dem Buch zusammenhing) auch immer wieder ankreidete. Diese Rezensionen wurden immer wieder gelöscht. Ich schrieb Amazon das ich mich als Kunde der sachliche Kommentare abgibt (ich hatte mich immer an die Netiquette gehalten) verarscht fühlte und mein Konto doch bitte gelöscht werden solle. Seitdem ohne Konto und natürlich auch nie wieder was dort bestellt. Es gibt auch andere Onlineshops

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  21. UPDATE
    Ein kurzes Update bezüglich der Fanzahlen für diejenigen, die dieser Punkt näher interessiert. (Mir ging es im wesentlichen darum, dass sich nicht mal in dieser Metrik ein Schaden zeigt.)

    Thomas Hutter hat sich damit hier näher beschäftigt:
    Facebook: Amazon.de-Shitstorm mit nur geringen Auswirkungen auf Fanbasis (http://www.thomashutter.com/index.php/2013/02/facebook-amazon-de-shitstorm-mit-nur-geringen-auswirkungen-auf-fanbasis/)

    Und für die Netzpiloten hat Nico Pliquett etwas geschrieben:
    Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm (http://www.netzpiloten.de/2013/02/15/nach-tv-beitrag-amazon-de-versinkt-auf-facebook-im-shitstorm/)

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  22. Die Frage hinter all dem ist doch:
    Beeinflusse ich als Verbraucher durch den „Nicht-Kauf“ eines Produktes (der ja nur ein „Anderes-Produkt-Kauf“ ist), die Unternehmenspolitik?

    IMHO: Grundsätzlich: Ja, meistens aber: Nein.

    Beispiel Wiesenhof: Wiesenhof ist Produzent und Marke. Entscheide ich mich dafür nicht mehr die Marke Wiesenhof zu kaufen, werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem ein Produkt von Wiesenhof kaufen, nämlich das einer anderen Marke. Wer sich im Lebensmittelhandel ein wenig auskennt weiß, das Wiesenhof ca. 80% des deutschen Hähnchenfleischmarktes beliefert, insbesondere bei den TK-Produkten.
    Daraus folgt: Irgendein popeliger Shitstorm einer Anhängerschaft eines mittelmäßigen (kicher) Bundesligavereins, gehen einem global handeldem Unternehmen am Allerwertesten vorbei.
    Meine Folgerung: Je mehr Marktmacht das Unternehmen hat, umso weniger wirken sich Protestler, Shitstormer oderwieauchimmer aus.

    Beispiel Amazon: Will da irgendjemand was gegen diese Dominanz einwenden? Really? Selbst wenn ich meinen Kauf dann über irgendeinen popeligen Mini-Onlineshop dann abwickel, übernimmt Amazon dann die komplette logistische Seite (also Lagerung, Verpackung, Versendung) und profitiert wieder mit. Ja gut, noch nicht mit einer Marktmacht wie es bei Wiesenhof der Fall ist, aber sicherlich signifikant (Gibt es da überhaupt Zahlen zu?). Nur weil ich einen anderen Vertriebsweg nutzen will (nämlich einen anderen Onlineshop), ändert sich also im Grunde gar nichts. Amazon verdient noch immer mit.
    Im Ebookbereich (wieder was anderes: Downloadcontent) sieht man auf verschiedenen Webseiten den Zugriff auf die immer gleiche Datenbank dahinter -> Selbe Geschichte

    Anders sieht es aus bei geringer bis gar keiner Marktmacht: Der Einzelhändler oder Arzt vor Ort hat keine Möglichkeiten sich bei berechtigten oder unberechtigten Shitstürmen zu wehren. Da bringen auch Zeitungsanzeigen nix http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-moers-kamp-lintfort-neukirchen-vluyn-rheurdt-und-issum/aerzte-haben-nichts-mit-der-hanfplantage-zu-tun-id6530002.html
    Aus diesen vorliegenden Gründen kommt mir auch jedes mal die Galle hoch, wenn irgendein Politiker das periodisch wiederkehrende Mantra intoniert: „Der Käufer darf nicht billig kaufen, da stimmt die Qualität nicht!“ Das kann ich als Käufer gar nicht mehr beeinflussen! Geschweige denn prüfen! Und schon gar nicht über den Preis. Beispiel? Beispiel Pferdefleischskandal: Vorrangig zwar in Billig-Lasagnen der Supermarktketten, aber auch in einer Lasagne der Firma Eismann, als Tiefkühl-Direktlieferant eher als hochpreisig zu bezeichnen.
    Schutz durch höheren Preis? Negativ.

    Und jetzt abschließend mal BTT: Amazon wird das Shitstormlüftchen nicht interessieren. Punkt. Zum einen weil Herr Pfister richtig ausführt das Konsumenten schnell vergessen, zum anderen rein quantitativ gesehen die Umsatzzahlen nicht entscheidend beeinflusst werden. Punkt.

    Es gibt natürlich auch erfolgreiche Shitstorms. Mmh, welche eigentlich?

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  23. Hallo zusammen, ich habe bis vor 2 Jahren selbst bei Amazon gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Nazimethoden bei Leiharbeitern meines Wissens nach nicht. Sehr viele Leute wurden als Saisonarbeiter eingestellt und viele davon auch am Ende der Saison wieder entlassen. Trotzdem war es eine gute Möglichkeit Geld zu verdienen. Wer seinen Job gut gemacht hat, bekam spätestens in der nächsten Saison wieder einen Job angeboten. Die Bezahlung war für diese ungelernte Tätigkeiten nicht schlecht. Wenn jetzt tatsächlich Leute unter falschen Versprechen nach Deutschland gelockt werden und dann von Leiharbeitsfirmen wie Sklaven gehalten werden ist das schlimm. Ich werfe Amazon dann vor, dass sie das geduldet haben. Trotzdem möchte ich sagen, dass ich gerne da gearbeitet habe. (ja ich habe mir inzwischen was neues gesucht TROTZDEM).

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  24. Ich stimme da Anonym18. Februar 2013 10:43 zu. Das Argument, das Konsumentenverhalten würde zu so etwas führen greift nicht. Apple ist doch das beste Beispiel. Niemand kauft ein Iphone weil es so billig ist. Apple hat eine riesige Gewinnspanne und würde bei doppelten Lohnkosten in China immer noch eine riesige Gewinnspanne haben, nur eben eine etwas kleinere.
    Nike ist ja genauso ein Beispiel. Wenn wir alle nicht mehr auf den Preis achten würden, würden die Unternehmen nicht automatisch höhere Löhne zahlen, sondern erstmal nur mehr Gewinn machen.

    Genauso kaufe ich bei Amazon oft, obwohl ich bei einem kleineren Händler das Produkt etwas billiger bekommen würde. Bei Amazon weiß ich, dass der Laden in 2 Jahren noch besteht und ich habe bis jetzt mit Rückgabe, Garantie etc. sehr gute Erfahrungen gemacht und das ist mir wichtiger als ein paar Euro zu sparen.

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  25. Was mich so nervt an diesem Shitstorm:
    1. Ist ganz leicht: Einfach nicht mehr kaufen bei Amazon, da braucht es keinen Shitstorm
    2. Moralisieren ja die immer am Lautesten, die mit Ihren Laptops und Smartphone aus chinesischer Ausbeuter-Herstellung offenbar ihr eigenes schlechtes Gewissen übertönen wollen.

    Es ist alles so dermaßen verlogen - und ja: überbewertet - das einen in Sachen Socialmedia stets das kalte Grausen packt ...

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  26. ich arbeite in einem der FCs von amazon und die bestellungen in der letzten woche sind nicht eingebrochen. im gegenteil, wir haben jeden tag überstunden gemacht.
    den bericht in der ARD fand ich sehr einseitig und das "hauptproblem" in D ist eher die leiharbeit allgemein.
    amazon behandelt seine festangestellten und befristeten mitarbeiter hier im FC übrigens sehr fair und amazon unternimmt auch sehr viel, um die mitarbeiter bei laune zu halten, denn auch den leads und managern ist klar, dass nur motivierte mitarbeiter auch ordenliche arbeit abliefern. hier wird keiner "versklavt" oder muss sich "zu tode" arbeiten aber sowas will ja der normale user, vor allem auf facebook, nicht hören.

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  27. Es ist zwar vermutlicherweise leider wahr was Sie schreiben, Herr Pfister, allerdings hat die Dokumentation zumindest bei mir das Fass zum überlaufen gebracht. Ich habe zuvor schon mit zunehmend ungutem Gewissen bei Amazon bestellt, einerseits weil ich um die dortigen Arbeitsbedingungen wusste, andererseits, weil mir klar ist, dass steigender Kauf bei Versandhändlern den lokalen Einzelhandel schwächt.

    Ich persönlich habe vorgestern mein Amazonkonto gelöscht, bzw. löschen lassen um erst gar nicht mehr in Versuchung zu geraten, dort zu bestellen und möchte zukünftig mehr im lokalen Einzelhandel kaufen und eigentlich darüber hinaus zunehmend Verzicht üben, überhaupt dauernd zu konsumieren. Will sagen: Was vor Ort nicht einfach erhältlich ist, wird einfach ggf. überhaupt nicht erworben.

    Es ist ja auch die bequeme Möglichkeit (fast!) alles jederzeit zu bestellen und zugeschickt zu bekommen, die einen gar nicht mehr groß drüber nachdenken lässt, ob man das bestellte überhaupt wirklich braucht.

    So gesehen mag die Dokumentation über Amazon doch ihren Sinn gehabt haben.

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  28. Sehe ich ganz ähnlich. Amazon wird durch den Shitstorm nicht so viel Umsatz verlieren, daß sie etwas ändern müssten und gewußt hat es ja sowieso schon jeder, wie es bei Amazon zu geht.
    Es ist ähnlich wie bei KIK, viele regen sich darüber auf, daß die Näherinnen und Näher in Bangladesch total ausgebeutet werden, daß teilweise Kinder beschäftigt sein sollen, aber der Laden boomt und wächst weiter.

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  29. Schöner (bzw. unschöner weil sich vermutlich bewahrheitender) Beitrag,

    den 'Selbsttest' mit meinen Amazon Bestellungen nehme ich aber an.
    Eine 'Fastenzeit' diesmal nicht für Alkohol oder Ähnliches sondern für den Online Einkauf.

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  30. Ich habe das Wochenende genutzt, mich tatsächlich mit Alternativen zu Amazon zu beschäftigen. Habe mir z.B. die Eigentumsverhältnisse, Mitarbeiterzahlen, Geschäftsberichte u.a. bei diversen Online-Shops angesehen. Meine Zielrichtung dabei war, herauszufinden, wer sozial verträglich arbeitet (oder wo es eben wahrscheinlich ist), wer Steuern in Deutschland abführt (und die Steuerlast nicht durch Firmengeflechte im Ausland nach unten manipuliert). - Also es gibt tatsächlich viele kleinere Shops, die auch "günstig" sind, mit kleinem Team arbeiten und wo man wohl davon ausgehen kann, dass sie ohne Leiharbeiter, Security usw. auskommen. - Besonderes Augenmerk hatte ich darauf, mir mal anzusehen, wer z.B. hinter den Drittanbietern steckt, die via Amazon (als Zwischenhändler) verkaufen. Warum nicht direkt bei denen kaufen und Amazon aussen vor lassen...!? Habe z.B. eine Bioversand gefunden, der zwar "erst" ab 30 Euro Umsatz versandkostenfrei verschickt - aber preislich ansonsten keine Unterschiede hat. - Was Bücher betrifft, werde ich definitiv (wieder) auf den lokalen Handel umschwenken. - Die Suche nach kleineren Online-Shops bzw. der Gang in einen lokalen Shop werden zwar Zeit und Logistik kosten, aber das ist es mir wert. - - Ich war - zugegeben - einer der vielen Menschen, die einfach immer aus Bequemlichkeit und Gewohnheit bei Amazon gekauft haben... Ein gewisses "Unwohlsein" habe ich schon seit den TV-Dokus über DHL, Zalando etc. verspürt. Die Sache mit Amazon hat mich jetzt endgültig aufgeweckt. Im Alltag (Essen & Trinken u.ä.) kaufe ich schon eine ganze Weile "ethisch korrekt" (meistens bio, regional, fair trade); aber was den monopolisierten Online-Handel betrifft - das hab ich immer irgendwie ausgeblendet. - Insofern finde ich diese TV-Doku gut, weil sie mich halt "erinnert" hat...

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  31. Ich denke, wenn man möglichst schnell eine (Online-)Petition bei bundestag.de einrichtet, kann man schon den shitstorm ausnutzen um etwas zu erreichen. Das ging ja bei den Netzsperren doch schon ganz gut, damals.

    Man kann auf der anderen Seite Amazon aber schlecht vorwerfen, dass sie ihren gesetzlichen Rahmen ausschöpfen. Und selbst wenn Amazon auf die Ausnutzung von billigen Leiharbeitskräften und deren Schikanierung in Zukunft verzichten sollte, hilft das den Leuten, die zufällig von einem anderen (ggf. deutlich kleineren) Unternehmen genauso ausgenutzt werden genau gar nicht.
    In dem Bereich sind beim Arbeitnehmerschutz ganz deutliche Lücken, die zum Teil für "höhere Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit" ganz bewusst hingenommen werden. Wenn die Bevölkerung das nicht möchte, dann muss sie sich bei ihrer Regierung beschweren. Solange das nicht passiert, sondern Leute die sich für entsprechende Änderungen einsetzen noch als Sozialschmarotzer oder ähnliches beschimpft werden, ändert sich halt auch nix.

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  32. Ein wenig idealistisch/naiv: Wie wäre es denn, statt zum Boykott gegenüber Amazon aufzurufen, eine freiwillige Spende für die Versandmitarbeiter anzubieten? Wenn ich sicher wüsste, dass es bei den Arbeitern ankommt, in voller Höhe und ohne langfristige Reduzierung des Lohns, würde ich z.B. 50 Cent pro bestelltem Artikel draufpacken. Für die Arbeiter wäre dass ein ordentlicher Gewinn, für mich keine große Mehrbelastung.

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  33. Amazon mit Shitstorm zu überschütten, ist typisch für Facebook und Twitter-Nutzer. Einer fängt das Schimpfen und 1000 andere machen mit ohne darüber nachzudenken.
    Ein Hurrikan zu z.B. lässt an stärke nach, wenn er auf Land trifft bzw. auf kaltes Meerwasser trifft. Diese wird auch mit dem Shitstorm passieren, weil nach ein paar Wochen interessiert es keinen Menschen mehr.
    Zum weiteren ist auch so, wenn das Boykott erst meinen würde. Dann könnten man so gut wie garnichts mehr kaufen.

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  34. Es mag kleinlich sein, aber das von dir angesprochene Sponsoring für Werder ist Wiesenhof nicht "um die Ohren geflogen". Wenn, dann könnte man drüber streiten, ob Wiesenhof dadurch noch einmal kurz in den öffentlichen Fokus gerückt ist und die Marke Werder Schaden genommen hat (wobei ich mittelfristig selbst das bestreiten würde). Ansonsten gehe ich mit der Kernaussage des Kommentars d'accord: Empörung lässt sich im Netz soooo leicht äußern, aber das allein wird keinen Weltkonzern zu Fall bringen.

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  35. amazon ist nicht das einzige logistikzentrum in der angesprochenen region. wie es wohl bei den anderen aussieht, würde mich echt interessieren.

    auf anhieb fällt mir da das eines bekannten buchgroßhändlers gleich um die ecke ein. die gelegenheit, sich in den wenigen tagen der aufmerksamkeit kontrastierend zu positionieren, hat anscheinend bis jetzt noch niemand wahrnehmen wollen.

    .~.

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  36. Hallo Ralph,
    das sehe ich nicht so - Du hast einen interessanten Artikel geschrieben zum Thema „Scheißesturm“ aber Du gibst Dich hier zu offensichtlich als selbsterfüllender Prophet der es sich anscheinend sogar herbeiwünscht das sich nichts zum positiven hin verändert. Ich finde es hervorragend wie schnell Missstände über Social Media ans Licht kommen und ich ändere je nach Einschätzung dann meine Verhalten oder nicht - nicht um mich wohlzufühlen sondern weil es gegen meine Ethik spricht durch mein Kaufverhalten quasi z.B. ein Sklavenhalter zu sein - einigen Leuten macht das wohl Freude und ist das egal, mir aber nicht. So kaufe ich schon seit Jahren nicht mehr bei Lidl und auch schön das Schlecker den Bach runter ging. Auch wenn Amazon wohl nicht aussterben wird haben sie doch zumindest den Sicherheitsdienst gekündigt. Ob das jetzt nur reiner Aktionismus ist um die Leute zu beruhigen oder ob Amazon wirklich etwas ändern will das bleibt abzuwarten. Der Schlüssel zur nachhaltigen Veränderung ist die Gedanken- und Redefreiheit, Aufklärung, Bildung, Direktdemokratie, Solidarität, Informationsaustausch über das Internet etc. … und wenn ich das nicht praktiziere oder will dann finde ich mich eines Tages selbst wieder als ausgebeuteter Dreck im Amazon Lager oder ausgebrannte Kassenleiche bei Lidl. Und das ist für mich keine lebenswerte Gesellschaft. Gerne wird so eine Meinung oder Verhaltensweise heutzutage als „Gutmensch“ abgetan. Ich nenne es einfach Zivilcourage, soziales Verhalten und aktive Beteiligung an positiven Veränderungsprozessen. Deshalb raus aus der Steinzeit und rein in die moderne Zivilisation!
    lg, Arthur

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  37. Lieber Ralph,

    Die Details finde ich interessant, bei der groben Richtung kann ich dir nicht ganz folgen. Du baust einen Pappkamerade auf, der du dann aber noch nicht mal umpustest.
    1) Wer behauptet Amazon ginge pleite? Ernsthafte Beiträge sprechen von einem Reputationsverlust und Beschädigung der Marke.
    2) Wie und wo sich das über welchen Zeitraum messbar auswirkt auswirkt ist zunächst mal völlig unklar. Amazons kurzfristige Fanzzahlen und Reichweite aber ganz sicher nicht aussagekräftig wenn wir über langfristigen Anderungen von Einstellungen gegenüber einer Marke und konkrete Verwendungsentscheidungen sprechen.

    Messen Sie doch mal die Markenwerte.
    LG StJ

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  38. Hallo Herr Pflister,

    es kommt immer darauf an, was der Auslöser eines Shitstorm ist. Denn was man in Nullen und Einsen nicht messen kann: Was passiert außerhalb des Netzes weiter? Die Menschen lassen AUCH im Netz ihren Unmut ab, aber doch nicht NUR. Sie reden darüber. Und dieser „Transfer“ lässt sich nicht mehr so einfach messen und einspeisen in digitale Tabellen und Diagramme, obwohl er die unmittelbare Folge eines jeden Shitstorm ist.

    Es mag sein, dass in Ihrem Vergleich Wiesenhof direkt messbare Veränderungen im Netz nicht nachweisbar sind. Wie weit sich allerdings eine direkte Veränderung in Denkweise und weiterem Konsumverhalten der Shitstorm-Teilnehmer und deren späteren Diskussionspartnern ausserhalb des Netzes ergeben hat, kann man auch mit „Nullen und Einsen“ nicht mehr berechnen.

    Es ist vermessen, Reaktionen von Menschen und Konsumenten im Netz auf ihr alles bestimmendes und einzig zählendes Verhalten zu reduzieren. Stellen Sie sich vor, es gibt sogar noch Menschen, die sich nicht nur verlassen auf Statistiken, Diagramme, Tabellen, bzw. durch Studien erstelltes und digital verarbeitetes Datenmaterial. Weil sie u. a. wissen, wie sehr solche digitalen Erfassungen auch manipulierbar sind.

    Und ein Verbraucherverhalten oder jegliche menschliche Reaktionen rein an der Tatsache festzumachen, dass ein in die Kritik (bzw. passender zum Thema ausgedrückt: Ins Kreuzfeuer eines Shitstorm) geratener Großkonzern keine Umsatzeinbußen bekannt macht oder gar pleite gegangen ist, halte ich für mehr als schlicht.

    Für mich pers. liest sich Ihr Bericht zwischen den Zeilen so: …..hallo, Ihr Unwissenden da draußen. Spart Euch die Belästigung Eurer Tastaturen, hat eh keinen Sinn. Morgen nutzt Ihr sie eh wieder dazu, eine brandaktuelle Neuheit bei Amazon zu bestellen. Bewiesen durch "Nullen und Einsen".

    Ihr Zitat: „Anders ausgedrückt: Wiesenhof hat keinen Schaden erlitten, ist sogar gewachsen. Amazon hat 2012 knapp 6,45 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaftet. Und diese Zahl wird in diesem Jahr ebenfalls wachsen. Welchen Schaden Amazon durch den Shitstorm nehmen wird? Gar keinen.“

    Ah ja. So einfach ist das?

    Man drückt mal eben mit *datengestütztem Zynismus* den sich begründet empörenden bis wütend äußernden Internetnutzern den Stempel *überflüssig* auf die Stirn und verweise als Begründung auf ein paar Umsatzzahlen? Das ist für mich nichtmal Zynismus, sondern lächerlich.

    Ihre Aufforderung: „Wer jetzt völlig entrüstet darüber ist, dass ich unterstelle, seine Empörung werde keine Konsequenzen nach sich ziehen, nimmt bitte an folgendem Experiment teil: Ruft den elektronischen Kalender eurer Wahl auf und stellt euch eine Terminerinnerung ein für - machen wir es uns einfach - den 15.8.2013: "Meine Bestellungen bei Amazon checken". Ist der zweite Menüpunkt im Kundenkonto. Auftrag dazu: "Bestellungen seit 15.2.2013 zählen".
    Dann reden wir weiter.“

    Nein, Herr datengestützter Zyniker. Ich habe meine kostbare Zeit darauf verwendet, mein Amazon-Konto zu kündigen und somit die heiße Luft im Ballon bereits durch Substanz ersetzt. Das ist kein Zynismus, sondern eine Tatsache und nur insofern datenge(unter)stützt, dass ich dafür das Netz genutzt habe.

    Um kein Frühstücksei von Wiesenhof mehr auf den Tisch zu bringen, brauche ich das Netz (noch) nicht.
    Wie ich das mache, kann nicht einmal durch meine individuelle Elektroenzephalografie ausgewertet werden. Inwiefern das nun * eine Übung in datengestütztem Zynismus* ist, dürfen Sie selbst entscheiden. Freundlichen Gruß Dodo

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  39. Horizont.net hat ein paar Stimmen von Marketing- und Kommunikationsexperten zum Thema Amazon und Imageschaden eingesammelt. http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Schuld-ist-der-Kunde-Markenexperten-zum-Fall-Amazon_113029.html

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  40. Nützliche Informationen,ich danke Ihnen sehr

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