Sonntag, 26. Oktober 2014

Netzespresso - "Ambition" oder Wie Magier für den Weltraum werben

Rosetta übersetzen. Es hat einen gewissen Witz, dass die European Space Agency bei der Kampagne für ihre Kometenmission auf Storytelling setzt, einen Science-Fiction-Kurzfilm als Instrument wählt. Und es ist auch schlüssig. Denn der Witz an Storytelling-Ansätzen wiederum besteht darin, eine gute Narration zu finden, um Menschen Dinge nahe zu bringen, die komplex, abstrakt oder schwer zugänglich sind.

(Gut, im Fall vom Einsatz im Marketing kann es auch um Dinge gehen, die schlicht langweilig oder komplett überflüssig sind, aber das führt jetzt zu weit.)

Der Kurzfilm Ambition übersetzt also die Rosetta-Mission, besser gesagt: Ihren Kern und den der ESA. Warum schießt man eine Sonde ins Weltall, die einen Kometen abfängt und einen Roboter auf ihr landen lässt? Wieso investiert man über zehn Jahre und über eine Milliarde in so ein Projekt, in Raumfahrt generell?


Bild: Ambition Still.

Die Antwort lässt Regisseur Tomek Baginski einen Meister und dessen Lehrling geben. Zwei Magier, die auf einer unirdisch wirkenden Landschaft über Strebsamkeit, den Ursprung des Lebens und Kometen reden. (Gut, was heißt Magier. Zwei Wesen im Besitz von Technologien oder Kräften, die weit genug entwickelt sind, um wie Magie zu wirken.)

Es ist nicht einfach ein simpler Erklärclip, sondern ein Kurzfilm, der atmosphärisch gekonnt eine Sci-Fi-Geschichte um die Basisfakten herum erzählt.





Drei simple Zeilen bringen die Triebfeder für ESA, für Raumfahrt, für das Streben nach vorn auf den Punkt:
Master: "And tell me: What was it all for?"
Apprentice: "Knowledge."
Master: "Yes. But we also wanted to show what was possible."

Wie schon die NASA bei ihrem Marsprojekt Curiosity setzt die ESA hier auf Storytelling, auf in unterhaltsamer Art präsentierte Information, um ihr Projekt und sich verständlich zu machen. Der Film ist gelungen. Er übersetzt, worum es im Kern von Rosetta geht: Einen Kometen abfangen und erforschen, mehr über diese Himmelskörper herauszufinden und über die Rolle, die sie für die Entwicklung des Lebens gespielt haben. (Die erhofften Hinweise auf die Entschlüsselung hier hat der Mission ihren an den Rosettastein angelehnten Namen eingebracht.) Jetzt müssen sie ihn nur auch noch streuen. Und ein wenig am trockenen Tonfall der Info-Seiten zu Rosetta arbeiten. Etwas Zeit bis zur Landung auf dem Kometen am 12. November wäre ja noch.

Das Making of zu Ambition ist übrigens ebenfalls sehenswert. Und einer der seltenen Fälle, in denen der Making-of-Clip eine längere Laufzeit als der Film aufweist.






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