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Freitag, 16. November 2012

Googles AR-Projekt Ingress - Die ganze Welt ist ein Spiel

Google geht jetzt auch unter die Anbieter von Mobile Games. Und nach dem ersten Eindruck ist Ingress  mehr als nur ein kleines Spielchen. Denn was die hauseigenen Niantic Labs da gezaubert haben, will ein weltumspannendes AR-Game werden - hier für Alternate Reality, auch wenn Augmented Reality Teil des Ganzen ist. Der Globus als Spielball für zwei Fraktionen, die in der physischen Welt an bestimmten Orten mit dem Smartphone Missionen zu erfüllen haben. Eine fiktive Spielwelt, die der realen virtuell übergestülpt wird. 

So sieht der Trailer dazu aus:


In der Praxis bedeutet dass: Grundlage von Ingress ist eine Storyline, der zufolge transdimensionale Intelligenzen (schaut mich nicht so an, das ist Niantics Wortwahl, nicht meine) die Erde mit extraterrestrischer Energie fluten und an bestimmten Stellen Portalschnittstellen schaffen wollen. Spieler sind entweder dafür, den sogenannten Shapern dabei zu helfen oder sie aufzuhalten - spielen vulgo entweder aufseiten der Enlightened oder der Resistance.

Sonntag, 26. August 2012

Apple vs. Samsung: Die Fanboy-Kriege gehen in die nächste Runde


Mit dem US-Urteil im Patenprozess zwischen Apple und Samsung endet die Saga der Mobile-Kriege nicht. Es beginnt nur eine weitere Episode. Und ein kleines Intro dürfte verdeutlichen, dass es noch einen spannenden Sub-Plot neben den wirtschaftlichen Auswirkungen gibt:





Denn das ist das Interessante neben der Erörterung, was aus dem Urteil folgen könnte: Die harschen Reaktionen von Samsung- und Android-Freunden auf die Entscheidung der Geschworenen führen gut vor Augen, dass auch Samsung Fanboys hat. Und sie sind in ihrer Haltung ähnlich unverbrüchlich loyal, in ihren Urteilen ähnlich absolut wie die von Apple.

Da wird ein Urteil in San Jose (eines in einer solchen Lawine weltweiter Prozesse, das selbst am gleichen Gericht noch ein weiteres Verfahren anhängig ist) zum Untergang des Abendlandes, dem Sieg des bösen Imperiums über die Innovation, wahlweise gleich zum Sieg des Turbokapitalismus und der Geldschneider über echte Erfinder. Selbst Godwins Gesetz findet sich mit Hitler- und Nazivergleichen für Apple flugs umgesetzt.

Die Menschen, die sich so in Rage reden, sind nicht nur Entwickler, Marktbegleiter oder sonstwie beruflich mit dem Feld verknüpft. Das sind User, Kunden.

Samsung hat also nicht nur bei den Geräten abgekupfert – sie haben (mit Googles Hilfe) auch die Apple-Fanboys geklont. Und die Klonarmeen gehen lautstark aufeinander los.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Supermarkt-Shoppen mit dem Smartphone - IBMs Augmented Reality App als mobiler Einkaufsführer

Wenn künftig durch den Supermarkt irrende Gestalten nicht auf den Zettel in ihrer Hand, sondern durch ihr Smartphone auf die Regale starren, dann könnte das an IBM liegen. Deren Labs in Haifa entwickeln nämlich gerade eine Augmented Reality Mobile Shopping App. (Was habt ihr erwartet, IBM war noch nie gut darin, sich einprägsame Produktnamen auszudenken). 

Loggt der Nutzer sich im Supermarkt ein und gibt Kriterien für die Produkte an, die er kaufen will, dann werden ihm die entsprechenden Artikel im Display markiert und Zusatzinformationen eingeblendet, so er durch die Smartphone-Kamera auf die Regale blickt.

Bild: Jon Simon/Feature Photo Service for IBM

Die Möglichkeiten gehen dabei deutlich über ein "wo habt ihr schon wieder das verflixte Müsli hingestellt?" hinaus. Nutzer sollen in ihrem Profil etwa hinterlegen können, wogegen sie allergisch sind oder was sie schlicht nicht mögen. Was sie bevorzugen (über Marken und Öko-Produkte bis hin zur Verpackungsart) oder ob sie innerhalb bestimmter Preissegmente einkaufen wollen. Auch die zusätzlich eingebaute Digitaluhr unserer Zeit, Facebook Connect, steht natürlich zur Verfügung: Auf Wunsch lässt sich das Programm mit den eigenen Accounts in Sozialen Netzwerken verbinden, um Produktempfehlungen und -Bewertungen der Freunde zu sehen. Die App ist  dabei an den jeweiligen Laden gebunden - dort registriert sich der Nutzer, dort checkt er ein.

Dienstag, 12. Juni 2012

Mehr Bildschirme, mehr! - Was Microsofts Xbox-App SmartGlass für Multiscreen-Strategien heißt


Fragt man TV-Konzerne nach Trends und ihren Plänen für die Zukunft, fallen einhellig die Begriffe Multiscreen-Strategie (je nach Ehrgeiz und mathematischer Begabung auch Second- oder Third-Screen-Strategie), Social TV, interaktive Gestaltung oder IPTV.

Das hat nichts mit Ideenlosigkeit zu tun, es erkennt vielmehr Realitäten: Der Anteil von Nutzern, die nicht nur Smartphone oder Tablet besitzen, sondern auch während des Fernsehschauens in der Hand oder in Reichweite haben, ist signifikant und wächst. Laut Bitkom surfen aktuell bereits 77 Prozent der Internetnutzer während des Fernsehens. Wer sich zur Ausstrahlung von Formaten wie Tatort oder Germany’s Next Topmodel mal bei Twitter & Co nach den entsprechenden Hashtags umschaut, sieht, dass hier parallel eifrig im Netz gequatscht und diskutiert wird. Social TV im Sinne von Netzbegleitung von TV-Formaten durch die Zuschauer ist also Alltag und nicht wirklich auf eine Zielgruppe beschränkt – es sei denn, jemand kann mir schlüssig belegen, dass Tatortfans auch Topmodel schauen. Hier kaltblütiges verbales Sezieren von Opfern, dort gemütliche Krimiunterhaltung, das passt nicht zusammen.

Quelle: Microsoft

Nachdem das Verhalten als solches belegt ist, stellt sich die Frage: Wie das als Sender bedienen, was etabliert sich als Kanal, als Plattform? Soll man mit eigenen Apps und Sites für einzelne Formate oder für Sender versuchen, sich zu positionieren? Auf Social-TV-Plattformen wie Couchfunk setzen? Oder sich auf Twitter und Facebook verlassen? Letzte Woche hat Microsoft (ja, Microsoft) seine Variante zu diesem Thema ins Spiel gebracht: Die App SmartGlass.

Sonntag, 20. Mai 2012

Mobile-Markt: Android vs. iOS oder die Frage, ob sich Geschichte wiederholt


Manchmal scheint es im Mobile-Geschäft um mehr als nur um Geschäft zu gehen. Als wäre der Wettstreit zwischen Apples iOS und Googles Android nicht schlicht das Aufeinandertreffen zweier Betriebssysteme, zweier Marken, sondern eine epische Schlacht: Gut gegen Böse, Richtig gegen Falsch, Goliath gegen, naja, Goliath.


Es ist immer irgendwie erheiternd, wenn es geframt wird als Kampf des bösen Monopolisten gegen den aufmüpfigen kleinen Freiheitskämpfer. Wir reden hier vom Wettstreit zwischen der wertvollsten und der drittwertvollsten Marke der Welt

Aber bleiben wir bei der Duell-Darstellung, auch wenn diese Samsung, Microsoft & Co. maximal Raum für die Rolle der Sekundanten oder der Zuschauer lässt. Denn diese mythische Überhöhung gründet sich nicht nur darauf, dass es um zwei Riesen und einen relevanten, umsatzträchtigen Markt geht. Hier treffen zwei Philosophien aufeinander. Es geht um den Kampf Offen gegen Geschlossen, Chaos gegen Kontrolle, Individualisierbar gegen Vorgeschrieben. Kurz darum, ob Apples geschlossener, streng zurecht geschnittener Garten oder Androids bewusst geförderter Wildwuchs das mobile Ökosystem darstellen, in dem man leben will.

Es geht darum, welche Philosophie die richtige ist, ob sich die Wahrheit mittels Zahlen beweisen lässt und ob sich Geschichte wiederholt.

Mittwoch, 28. März 2012

Werbung für wasserfestes Plastik und telefoniefähige Kameras - wie man Smartphones nicht verkauft

Die Nachzügler unter den Smartphone-Herstellern stehen ja nicht immer im Verdacht ausgesuchter Kreativität und Originalität. Das betrifft nicht nur Streitereien rund um Designs und Patente oder die Tatsache, dass sie ihre Produkte genauso benennen wie die Kondomindustrie. Das gilt auch für die Art, wie sie ihre Produkte bewerben. Panasonics neues Smartphone ist ein Vorzeige-Beispiel dafür, dass Hersteller auch daran scheitern können. 

Für das Modell Eluga schiebt Panasonic jedenfalls gerade eine große Einführungskampagne an. Es mag sogar sein, dass der Elektronikhersteller weiß, wie man ein gutes Smartphone baut. Was sie definitiv nicht wissen, ist, wie man es gut und verkaufsträchtig bewirbt. So sieht der erste Spot für das Eluga aus:

Euer bestes Kaufargument besteht darin, dass das Smartphone wasserfest ist? Das ist ein Stein auch, aber ich würde trotzdem keinen anstelle eines iPhone oder eines Samsung Galaxy erwerben wollen.

Sonntag, 29. Januar 2012

Nokias Zahlen: Lumia & Co. haben die Flammen auf der Ölplattform noch nicht gelöscht

Nokias Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2011 haben eines deutlich gezeigt: Die Feuer auf der "brennenden Ölplattform", die CEO Stephen Elop vergangenen Februar als Analogie für den Zustand des finnischen Telekommunikationskonzern wählte, sind noch lange nicht gelöscht.

Stattdessen gibt der Stützpfeiler namens Symbian noch rasanter nach, als Nokia dachte – mit über einer Milliarde Euro Verlust im Geschäftsjahr 2011 sacken die Finnen ordentlich ab. 2010 stand da noch ein Gewinn von 1,8 Milliarden. Verbunden mit saftigen 21 Prozent Umsatzeinbruch wird keiner widersprechen, wenn man sagt: Elop hat das Ruder keinesfalls zu früh rumgerissen, als er die Kooperation mit Microsoft einging.

Dienstag, 29. November 2011

Nokia Lumia 800: Wenn aus prognostizierten 2 Millionen verkauften Stück 400.000 werden

Neuestes Spiel der Analysten im Mobilfunkbereich scheint das Runterstufen von Prognosen zu sein. Vielleicht wollen sie ihren Kollegen in den Rating-Agenturen den Spaß ja nicht allein lassen.

Jedenfalls wurden - wie sich etwa beim Guardian nachlesen lässt - inzwischen aus den mal von Unternehmen wie Pacific Crest fürs Weihnachtsgeschäft prognostizierten 2 Millionen verkauften Exemplaren von Nokias neuem Smartphone Lumia 800 weniger als 400.000.

Aua.

Das ist vermutlich für Analysten weitaus peinlicher als für Nokia und Microsoft (das Lumia ist das erste Nokia-Phone mit Windows Phone 7). Dennoch sind diese Zahlen - so sie zutreffend sind - vom großen Wurf und dem Befreiungsschlag weit entfernt. Was mich jetzt nicht überrascht, meine Meinung zu dem Thema habe ich hier schon im Post Microsoft, Nokia und das hoffnungslose Erfolgsprodukt Windows Phone 7 zum Besten gegeben. Das Lumia 800 kann und wird den Smartphone-Markt nicht aufrollen.

Natürlich muss der Verkauf des Lumia erst noch anlaufen und die Kinderkrankheiten beseitigt werden. Und Marktanteile entstehen nicht über Nacht. Im Weihnachtsgeschäft hier aber entsprechend wenig punkten zu können, muss so und anders wehtun. Immerhin 16 Prozent der Deutschen haben laut Bitkom fürs Fest Smartphones oder Handys auf der Geschenkeliste. Von denen wird keiner sein neues Gerät angewidert in sechs Monaten wegschmeißen und freudejauchzend ein Lumia erstehen.

Und mit Blick auf die Marktanteilsentwicklung von Nokia ist es geradezu putzig, trotzig zu verkünden, dass sich das Lumia in Großbritannien in der ersten Woche besser verkauft habe als alle anderen Nokia-Smartphones in der jüngeren Vergangenheit.

Das kann ja schließlich nicht weiter schwer sein.

Montag, 21. November 2011

Mobile Web: Wie man es nicht machen sollte

Eine Situation, die die meisten Smartphone-Nutzer gut kennen: Der Klick auf einen Link oder das Eintippen einer Adresse führt sie nicht dahin, wo sie hin wollen, sondern voll in den Wald aus Landing Pages, App-Werbung und brachliegendem Flash-Weißraum.

Mit WTF Mobile Web gibt es jetzt einen eigenen Tumblr-Blog, um solche Ausrutscher zu dokumentieren. Eine Galerie der Browser-Schrecken. Das Material wird ihnen nicht so schnell ausgehen. Denn immer noch lenkt der Klick auf Links bei Facebook, Twitter & Co. gerne nicht auf den eigentlichen Inhalt, sondern die Mobile Landing Page oder die Info-Seite zur App. Warum auch das mobile Szenario dafür nutzen, dass der Mobiler gleich beim Artikel, dem Produkt oder der sonstigen Information landet, wenn man ihn stattdessen auf große Erkundungstour der eigenen Site schicken kann.

Sollte es nicht an der Umleitung scheitern, gibt es immer noch die Möglichkeit, bei der Gestaltung der Mobile-Startseite die Balance zwischen Content-Menge und Übersichtlichkeit so zu gestalten, dass auf einer Seite der Wippe ein Elefant sitzt. Also entweder alles zuzupflastern oder außer dem schlanken Login-Fenster rein gar nichts anzubieten.

Auch großes Kino: Unternehmen verweisen für Mobilzugriffe auf Seiten, die Null, aber wirklich Null mobiloptimiert sind. Stattdessen vollgestopft mit Navigationselementen, kaum brauchbar auf kleinen Displays in lesbare Größe skalierbar und am besten noch mit Flash.
Flash hat auf einer Mobile Site nur dann was zu suchen, wenn man iOS-Nutzer explizit von ihr fernhalten will.

Zu guter Letzt besonders lustig sind dann die Experten, die einen via QR-Code oder anderen Marker auf ihre normale, nicht wirklich mobile-geeignete Website schicken und sich wundern, warum die Maßnahme nichts bringt.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Microsoft, Nokia und das hoffnungslose Erfolgsprodukt Windows Phone 7

Da sind sie also, die neuen Nokia-Modelle. Die Mobiltelefon-Baureihen, mit denen der frühere Marktbeherrscher, der in grauer Vorzeit auch mal Gummistiefel hergestellt hat, wieder ins Trockene finden will.

Viel war die Rede davon, dass Nokia (dessen Handys sich nicht mehr gut verkaufen) und Microsoft (dessen Betriebssystem Windows Phone sich nicht gut verkauft) jetzt zusammen den Markt richtig angreifen werden. Zugegebenermaßen führten diese Reden im Wesentlichen die Unternehmen selbst.

Was in diesem Zusammenhang interessant zu sehen ist: Als Hoffnung benennt Nokia nicht die ersten Windows-Phone-Geräte mit Partner Microsoft. Denn die heißen Lumia. Die billigere Baureihe für den asiatischen Markt, die tatsächlich noch auf Symbian setzt, heißt dagegen Asha, was Hoffnung bedeutet.
Das bitte auf der Zunge zergehen lassen.

Natürlich eine gemeine Beobachtung, die aber zu den verhaltenen Reaktionen auf die Lumia-Geräte und Windows Phone 7 selbst erst einmal passt.

Windows Phone 7 fliegt halt nicht, und das hat viel mit Microsofts Vorgehen zu tun.
Folgendes grandioses Zitat hat Achim Berg, globaler Marketing-Chef für Windows Phone, der WiWo geliefert: "Wir haben entschieden, dass wir im Handymarkt erfolgreich sein werden, früher oder später. Wir brauchen keinen Plan B."

Ah ja. Die Amateure da draußen mühen sich ab mit Innovationen, tüfteln genaue Strategien aus, analysieren den Markt und seine Bewegungen.
Microsoft dagegen entscheidet einfach, dass sie Erfolg haben werden.

Das erklärt so einiges.

Nicht falsch verstehen: Windows Phone ist eigentlich keine schlechte Plattform, und die Lumias sind vielleicht auch ganz brauchbar - mit den Geräten selbst muss ich mich noch auseinander setzen.

Aber Microsoft lässt den Biss vermissen, der nötig wäre, und den Apple sowie Teile des Android-Lagers zeigen.

Das zeigt sich auch daran, wie man die Geräte an den Kunden bringen will. Auch wenn Nokia hier richtig viel Geld in die Hand zu nehmen verspricht.
So sieht einer der Spots für Lumia aus:


Das haut mich jetzt nicht wirklich vom Hocker.

Ist aber immerhin nicht so sinnfrei wie die Kampagne für Sony Ericssons Xperia Ray.
("Mit unserem Handy kannst du tolle Fotos schießen!". Super. Ist das das einzige Feature an eurem Smartphone, das überzeugt? Dann viel Vergnügen mit der MySpace-Zielgruppe.)

Freitag, 7. Oktober 2011

Siri oder das Killer-Feature, das Apples iPhone nicht mal braucht

[Disclaimer am Ende.]

Nach der iPhone-Präsentation am Dienstag war bei Fanboys, Experten und solchen, die letzteres gern wären, die Enttäuschung in Sachen Apple groß. Kein iPhone 5, kein neues Gehäuse, kein breiteres Display, kein integriertes Lichtschwert.

Und weiter?

Wer sich an der fehlenden 5 auf dem Rücken oder der bekannten Optik festbeißt, übersieht das Wesentliche. Wer über das iPhone 4S lacht, hat über die Implikationen von Siri und ein paar anderer Dinge nicht nachgedacht.

Siri wird von manchen lapidar als Sprachsteuerung abgetan. Untertreibung ist ein zu mildes Wort für diese Einschätzung. Denn Siri ist die Enkeltochter von HAL9000.

Eine persönliche Assistentin, die gesprochene Fragen beantwortet und Anweisungen ausführt.
Werfen Sie einen Blick auf das iPhone-Video ab 00:45.

Auch gut dafür: Ein Blick in die Apple-Keynote ab 73:25.

Siri soll Fragen und Anweisungen "verstehen", nicht nur bestimmte Phrasen.
Denken Sie darüber nach, was die gezeigten Szenen bedeuten.

Siri weiß, wer ich bin, wer meine Freunde und Kollegen sind, wo ich arbeite, wo ich wohne und wo ich gerade bin.
Immer. (Netz vorausgesetzt.)
Und Siri lernt.

(Die Stille, die sie gerade hören, wird von den für ein paar Schläge aussetzenden Herzen bundesdeutscher Datenschützer verursacht. Apple wird allerdings kaum daran scheitern, einen vernünftigen Opt-In aufzusetzen.)

Siri passt perfekt in die Apple-Logik: Sie (offiziell es, aber das klingt irgendwie dämlich) macht es dem Nutzer so simpel wie möglich – so verdammt einfach. Nach der Entfernung der Maus durch den Touchscreen rückt der Nutzer so noch näher ans Gerät. Nicht umständlich Adressen in Maps tippen oder Suchfelder ausfüllen – bloß fragen.

Auf der Suche nach dem Ort des nächsten Termins?
Siri, zeig mir, wie ich da hinkomme.
Hunger und Lust, ein neues Lokal auszuprobieren?
Siri, zeig mir ein gutes Restaurant in der Nähe.

SMS, Mails, Kalender-Einträge. Kann das Ding vorlesen, im Diktat annehmen, koordinieren.

Was interessiert es mich, ob das Display einen Zentimeter breiter ist, wenn ich das Handy gar nicht in die Hand nehmen muss?

Siri ist vom Konzept her die perfekte Sekretärin – mit dem kleinen Haken, dass nicht ganz klar ist, ob sie wirklich nur für einen selbst arbeitet.

Denn wer legt denn fest, aus welchen Quellen Siri meine Fragen beantwortet? Apple. Cupertino formt den Entscheidungsraum vor. Und nichts hindert sie daran, das Modell auszubauen: Couponing-Anbieter, Läden, Freizeitangebote – wenn ich einfach nur fragen muss, ist der Weg noch kürzer als ein Klick auf die App.

Und: Ein lernender, stets aufmerksamer Assistent erlaubt in der Theorie den Aufbau von Nutzerprofilen in einer Tiefe, von der Facebook momentan nur träumen kann.

Wenn Siri also wie vorgesehen funktioniert und auch angenommen wird – das wird der Job des Marketings sein, es gibt nicht ohne Grund bereits jetzt mehrere Varianten des Siri-Spots – dann hat die persönliche Assistentin das Potenzial zu dem Riesenfeature, das Experten in einem neuen Gehäuse gesehen hätten. Ausgemacht ist das natürlich noch nicht.


Aber, jetzt kommt der eigentliche Skandal, Apple braucht überhaupt kein Killer-Feature.


Klar, es wurde der große Wurf herbeigeredet und –geschrieben. Von anderen, nicht von Apple. Vom nötigen Befreiungsschlag gegen die Android-Armee war die Rede. Jetzt vom bröckelnden Ruhm, dem Ende des Hype, dem Beginn des Abstiegs. Nun schon von einigen in Zusammenhang gebracht mit dem Tod von Steve Jobs, was ich nicht weiter kommentieren werde.


Mal der Reihe nach:
Das iPhone 4 ist Apples bestverkauftes Modell bislang. Samsungs Galaxy S II, wohl der erfolgreichste Konkurrent, hat letztens stolz verkündet, seit Markteinführung 10 Millionen Stück verkauft zu haben. Toll. Nur: Apple verkauft 20 Millionen iPhone 4-Modelle – pro Quartal. Tendenz steigend.

Die Leute hören jetzt sicherlich nicht auf, das iPhone zu kaufen, weil keine 5 hinten drauf steht oder es immer noch das gleiche Gehäuse aufweist.
Gut, letzteres finde ich persönlich schade, weil mir das 4er Gehäuse nicht besonders gefällt. Ich finde die Form des 3GS schöner. (Viele andere Smartphonehersteller sehen das offenbar auch so.) Aber in den Läden liegenbleiben wird das 4S nicht, sondern genauso vom Fließband runter verkauft werden wie die Vorgänger.

Ja, der Aktienkurs ist zwischenzeitlich um fünf Prozent eingebrochen. Mal davon abgesehen, dass sich durchaus fragen lässt, ob Apple nicht eh trotzdem überbewertet ist: Wir wissen ja, dass Börsianer und Analysten immer rational und überlegt handeln und grundsätzlich nur richtige Entscheidungen treffen.

Es ist nicht so, als wäre Apple am Ende. Dass die Traum-Marktanteile mit immer mehr Konkurrenz im Markt nicht zu halten sind, ist klar. Dass Android iOS deutlich überholt hat, wenn man nur die Smartphone-OS-Verteilung betrachtet, ist auch richtig. Aber bei seinen Zahlen kann Apple bislang ganz gut mit der Android-Konkurrenz leben.

Das iPhone 4S schließt technisch die Lücke zu einigen Androids und hat mit Siri, der iCloud und iOS 5 ein paar interessante Karten im Ärmel. Gerade die iCloud: Es gibt einen Grund, dass Apple die Zahl von 250 Millionen iOS-Geräten präsentiert. Und der liegt nicht nur darin, dass es die größte Zahl ist, die sie zeigen können. Es zeigt die Schlagrichtung auf: Ein Ökosystem mit verschiedenen Zugangsgeräten, die vernetzt sind und vernetzt funktionieren. Auf verschiedenen Geräten am gleichen Projekt weiter arbeiten, den gleichen Film weiter sehen, das gleiche Buch lesen – so einfach wie möglich.

Statt der geweissagten Low-Budget-iPhones gab es neue Preispunkte für die alten Modelle. Auch das ist überlegter, als mancher denkt. Günstigere Geräte können weitere Käuferschichten erschließen und sich mit Androids anlegen – ohne dass ein abgespecktes, gegen sie schlecht aussehendes iPhone die Marke schädigt. Schließlich handelt es sich ja um ein altes Gerät. Was hätte man denn bei neuen bitte weglassen sollen, ohne sie zu brutal zu kastrieren? Speicherplatz? Retina-Display? Voilà – 3GS.

Wer dabei nur an die westlichen Märkte denkt, springt mental zu kurz.
Es gibt einen Grund dafür, warum Cook als erstes von den neuen Stores in China erzählt hat. Der besteht nicht darin, dass er jubelnde Menschen zeigen wollte. Da hätte er auch nach Hamburg gehen können.

Und was das Ende des Hypes angeht: Wie viel haben Sie denn im Vergleich über das Anfang kommender Woche präsentierte neue Nexus gelesen?

Ich nehme in den Kommentaren übrigens noch Wetten an, wann die Gerüchteküche in Sachen iPhone 5 wieder zu brodeln beginnt.

[DISCLAIMER: Dieser Text stammt vom Mittwoch und hätte Donnerstag Morgen online gehen sollen. Aus naheliegenden Gründen habe ich das verschoben. Da ich das Thema aber wichtig finde, folgt er heute. Geändert hat sich nur ein Satz.]

Dienstag, 4. Oktober 2011

Apple: Welcome to the Magic Kingdom

Kleine Analyseaufgabe für die heute noch anstehende Produktverkündigung aus Cupertino: Verfolgen Sie daran mit, was Apple richtig macht und die Konkurrenz nicht begreift.

Und ich rede nicht von Technik.
Das ist nämlich gleich der erste Fehler.

In Ankündigungen wie in den Werbemaßnahmen kommuniziert Apple nicht, was für tolle Technik in dem Gerät steckt – sie zielen immer auf die affektive, persönliche Ebene. Was kann der Nutzer damit machen, wie wird es sein Leben verändern?
Ein iPad-Spot etwa zeigt, was sich damit alles anstellen lässt.
Kurz danach kommt dann ein Spot der Konkurrenz, die mir stolz erzählen, wie viel Zoll ihr Display hat und was für eine Auflösung in Pixeln es schafft.

Das ist zu abstrakt, das erreicht den Mainstream-Kunden nicht.

Die Grundlogik zeigt sich auch an Apples Sprachwahl, die bei mir immer Zähneknirschen auslöst. "Ein magisches Produkt" und so weiter. Das zielt aber auch auf das Erleben, nicht das Erklären ab. Nach Arthur C. Clarke ließe sich sagen: "Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden." Soll in diesem Kontext heißen: Dem Endkunden ist völlig schnuppe, warum das Gerät kann, was es kann oder wie es funktioniert. Smoke and Mirrors. Das Entscheidende ist, dass es funktioniert - und das so simpel wie möglich. Ist im Übrigen eine Logik, die Steve Jobs schon in seiner Antrittsrede beim Apple-Wiedereinstieg 1997 konkret formuliert hat. Nicht Technologie entwickeln und schauen, wie sich die verkaufen lässt, sondern für das entwickeln, was das Unternehmen als Bedürfnisse der Nutzer wahrnimmt.

Was immer Tim Cook heute präsentiert: Das Ding wird sich verkaufen, wenn es nicht gerade ein iPhone Shuffle ohne Bildschirm ist, das wahllos Leute anruft.

Da können Android-Jünger noch so viel darauf verweisen, welchen Beschränkungen die Apple-Herde hinter ihrem Zaun unterworfen ist. Das ist ja auch richtig – man läuft ständig in den proprietären Zaun, Apple kriegt es nur irgendwie hin, das Verbotsschild mit charmanter Geste zu halten.

Apple ist eher selten der große technologische Innovator. Der iPod war auch nicht der erste MP3-Player der Welt. Aber Apple weiß, wie man Dinge verpackt und verkauft.
Wie wichtig Design, Präsentation, Usability und die Art ist, wie ich das Produkt an den Kunden bringe. Wie ich es dem Kunden so einfach wie möglich mache, (was besonders dafür gilt, mir Geld zu geben) und wie ich möglichst elegant abtarne, was er alles nicht machen kann.

Und was die Theorien angeht, dass Apples Image kippen würde: Das ist in der Tendenz richtig und eine der perspektivisch größten Gefahren für Cupertino, aber bei weitem nicht so weit fortgeschritten, wie mancher denkt. Die Patentprozessorgie mit Samsung etwa – wir Digital-Nerds kriegen das mit, aber dem Mainstream-Kunden ist das null präsent. Da draußen laufen Leute rum, die frohen Mutes Nokia-Handys kaufen, weil ihnen nicht klar ist, dass sie mit Symbian auf ein Pferd setzen, dessen Termin beim Schlachter schon feststeht.

Hinzu kommt die Usability: Ein iPhone nimmt man in die Hand und bedient es richtig. Es gibt einen Grund dafür, warum das Ding ohne Handbuch ausgeliefert wird. Bei vielen Konkurrenzmodellen muss der Nutzer erst lernen, sich der Interface-Logik anzupassen. Bei Apple ist die Interface-Logik auf ihn ausgerichtet. Erneut: So simpel wie möglich.

Und so lange ein guter Teil der Zielgruppe so fanatisch ist, dass sie Event-Ankündigungen zu topgeklickten Meldungen machen und an den Lippen jedes Apple-Auguren hängen, der irgendein Detail postuliert, gibt es kein Problem auf der Nachfrageseite. Da draußen sind Leute stolz, ein Stück Pappe zu besitzen, das die Telekom ihnen als Talisman gegeben hat und das ihnen verspricht, zu den ersten zu gehören, die ein neuen iPhone kriegen. Obwohl das Ding weder vorgestellt noch auf dem Markt ist.
Und es werden sich wieder Verkaufsschlangen bilden vor den Apple-Schreinen – ach Verzeihung, Stores. Kurze Erinnerung an den Start des iPad 2: In Rezensionen wurde nicht die Frage behandelt, ob der Nutzer ein iPad 2 kaufen soll – sondern ob er es kaufen soll, obwohl er das Vorgängermodell hat.

Das wahre Magic Kingdom, das ist heutzutage Apple.